Interview

„Ukular reaction"

Vor 34 Jahren als Außenseiter mit den „komischen, kleinen“ Instrumenten gestartet, hat sich The Ukulele Orchestra of Great Britain zu einem international renommierten Ensemble entwickelt. Zu den Höhepunkten zählt ein Auftritt bei der Privatfeier der Queen zu ihrem 90. Geburtstag. Wir sprachen mit Bandmitglied Jonty Bankes, der als gebürtiger Brite seit einem knappen Jahrzehnt in Deutschland lebt.

Herr Bankes, haben Sie schon die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt?
Ja, das habe ich. Bis Ende Januar muss ich auf meine Ergebnisse vom B1-Sprach- und dem deutschen Einbürgerungstest warten. Dann werde ich halbdeutsch sein mit einem deutschen Pass. Vor dem Brexit hoffentlich.

Warum möchten Sie Deutscher werden und was gefällt Ihnen an dem Land?
Ich liebe deutsches Bier, es ist super. Alles hier, der Service, Restaurants, Transport, Verkehr, die Krankenhäuser: Alles läuft perfekt. Well, fast perfekt. Nicht überall in Deutschland, aber besonders in Hamburg gibt es sehr viel Toleranz gegenüber Ausländern. Ich liebe Deutschland dafür.

„Wir brauchen eine Union mit Europa.“

Welche Folgen wird der Brexit für Sie als Band haben?
Als ich im Dezember in England war, herrschte Chaos. Niemand in der Regierung weiß, was passieren wird. Vielleicht brauchen wir ein Visum für europäische Länder, um dort Konzerte zu spielen. Ich hoffe, dass die britische Regierung sagt: „Das war ein Fehler, wir bleiben in der EU“. Aber ich glaube, das ist zu kompliziert, das passiert nicht. Was sehr schlecht ist für England. Wir brauchen eine Union mit Europa.

Sie leben in Hamburg. Wie kam es dazu und wie gefällt es Ihnen hier?
Ich bin mit einer Lübeckerin verheiratet. Wir haben uns vor 10 Jahren in Berlin kennengelernt und ineinander verliebt. Sie wollte zurück nach Norddeutschland, wo sie Familie hat. Wir wohnen seit neun Jahren in Hamburg. Es ist eine Großstadt – aber nicht zu groß. Ich habe früher in London gewohnt. Die Stadt war für mich ein bisschen zu groß mit 11 Millionen Einwohnern. Hamburg ist für uns perfekt. Ich liebe die Hafenstadt.

Wenn Sie nicht in Hamburg sind, kommen Sie viel rum und stehen weltweit mit Künstlern wie Robbie Williams auf der Bühne. Wie erleben Sie solche Auftritte?
Robbie ist super. Ich habe ihn persönlich getroffen. Er war sehr freundlich und cool. Auch Madness waren lustig. Und, die … what’s the name of the band … i can’t remember the name, ich erinnere mich nicht an den Namen. Ruby, Ruby, Ruby …

„Alle sind nett zu uns, weil wir keine Konkurrenz oder Gefahr für sie darstellen.“

Die Kaiser Chiefs?
Die Kaiser Chiefs, ja. Die waren so lustig und freundlich. Alle sind nett zu uns, weil wir keine Konkurrenz oder Gefahr für sie darstellen. Die sind immer begeistert über die Art, wie wir unsere Instrumente spielen. Und das machen wir ziemlich gut.

Dennoch: Bekommen Sie immer noch mit, dass Sie und Ihre Instrumente belächelt oder nicht ernstgenommen werden?
Am Anfang, 1990, war das nur ein Witz und die Leute haben gedacht, das sei kein ernstzunehmendes Instrument. Aber nach ein paar Konzerten kam eine „Ukular reaction“. Plötzlich vergisst man, dass wir Ukulele spielen und genießt einfach nur unsere Show.

Was macht eine Ukulele im Vergleich zu anderen Instrumenten so interessant?
Sie hat vier Seiten, wie eine Violine. Wer Akkorde spielen kann, der kann alles auf ihr spielen: von Klassik bis zu den Sex Pistols. Heute gibt es viele Ukulele-Bands, vielen Dank auch an YouTube für die gute Werbung. Im Moment ist die Ukulele eines der meistverkauften Instrumente weltweit.

„Ich kann auch ohne Nasenflöte pfeifen.“

Was würden Sie gerne noch auf der Ukulele ausprobieren?
Ich mag klassische Stücke, als Bassist liebe ich es aber auch ein bisschen funky oder groovy. Natürlich gibt es Lieder, die das Publikum sehr mag und wir müssen diese Nummern spielen. Wir sind aber nicht nur eine Jazz- oder Popband. Wir spielen alles und haben auch sehr viele neue Stücke.

Ihr Bandkollege Will Grove-White hat in einem Interview eine Nasenflöte präsentiert. Ist das ein Instrument, mit dem wir Sie in ihrer Show in der Alten Oper Frankfurt sehen werden?
Man braucht eine Hand, um Nasenflöte zu spielen, aber man braucht zwei Hände, um Ukulele zu spielen. Wir haben das nur Backstage gemacht, aus Spaß. Ich kann auch ohne Nasenflöte pfeifen.

Sie haben mit „Floy and the Messengers“ eine zweite Band in Hamburg. Wie läuft es da?
Gut, ich bin seit einem Jahr in der Band. Wir haben eine neue CD, die „Today I rise“ heißt. Floy ist eine super Sängerin. Sie ist momentan im Oman, bis Februar/März haben wir frei. Danach versuchen wir mehr Gigs zu spielen. Dieses Jahr gibt es vielleicht eine Mini-Tournee, als Vorband von Eric Clapton. Ist nicht so schlecht, oder?

The Ukulele Orchestra am 27. Januar in der Alten Oper Frankfurt. Karten gibt es noch hier.